Zwei Kollegen der “Zeit” haben es gerade nicht leicht. Für einen Artikel, in dem Andrea Böhm und Jochen Bittner begründet dargelegt haben, warum sie den Krieg gegen den libyschen Gewaltherrscher Gaddafi für gerecht halten, ernten die beiden heftige Kritik vieler Leser.
Es ist schade, dass Journalisten solche Wahrheiten offenbar nicht mehr ungestraft äußern dürfen, ohne von einem wütenden Foren-Mob überrannt zu werden.
Fassen wir nochmal zusammen: Ein menschenverachtender Schlächter hat unschuldige Zivilisten ermordet, indem er seine Armee auf sein eigenes Volk schießen ließ. Daraufhin hat die internationale Staatengemeinschaft dem Morden nicht mehr länger tatenlos zugesehen, sondern die libyschen Rebellen militärisch unterstützt – und zwar sowohl völlig zurecht als auch erfolgreich, wie die beiden “Zeit”-Journalisten kenntnisreich darlegen.
Viele Leser sehen das völlig anders: Von einer “menschenverachtenden Überheblichkeit des Westens” ist da unter anderem die Rede, der Artikel sei “pietätlos”, heißt es. Doch ist es nicht vielmehr menschenverachtend und pietätlos, über tausende tote Libyer hinwegzusehen, nur um an seinem Käßmann`schen Weltbild festhalten zu können, wonach man am besten für Gewaltherrscher betet, anstatt den Schwachen im Kampf gegen einen militärisch übermächtigen Größenwahnsinnigen beizustehen?
Eine Doppelmoral, die fassungslos macht: Wenn ein CDU-Ministerpräsident die Polizei im Stuttgarter Schlosspark auf Demonstranten loslässt, rufen vermutlich genau jene empörten Kommentatoren zum Sturm auf die Villa Reitzenstein, die jetzt in einer Mischung aus feigem Relativismus und Gleichgültigkeit nicht wahrhaben wollen, dass in Libyen ein Massenmord geschah.
Vielleicht sind es jene, die stets den ruppigen Umgang der Polizei mit Castorgegnern wortreich beklagen, die jetzt trotz Folterungen und Morden des libyschen Militärs sagen, da hätte man sich niemals einmischen dürfen. Sie tun lieber so, als gälten Menschenrechte nur, solange für deren Durchsetzung keinem Diktator auch nur ein Haar gekrümmt werden muss.
Danke, liebe Kollegen von der “Zeit”, für diesen couragierten Artikel! Bitte lasst Euch nicht von Gutmenschen unterkriegen, die offenbar vergessen haben, welchen Preis die Allierten vor mehr als 60 Jahren dafür bezahlt haben, dass wir in Deutschland wieder frei von einer Gewaltherrschaft sind.
Dieser Text ist auch bei Medien Monitor erschienen, einem Weblog über Medienjournalismus.
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