Keinem deutschen Länderspiel wird stets mit derartiger Spannung entgegen gefiebert wie dem gegen England. Christian Spöcker ließ im Interview mit Fußballexperte Daniel Otto die beiden Fußballnationen abseits des Rasens zum Kräftemessen antreten.
CS: Fehlen Deutschland „Lichtgestalten“ wie David Beckham?
DO: David Beckham hat einen sensationellen rechten Fuß, bekam aber diesen Glamour-Faktor nur wegen seines Aussehens und seiner berühmten Ehefrau. Wir haben als Pendant Oliver Kahn, der in China ein absoluter Star ist. Er sieht eben nicht so gut aus und hat auch nicht die richtige Frau, um diesen Status zu erreichen.
England gilt als Wiege des Fußballs, hat aber die Qualifikation zur EM 2008 nicht geschafft. Wie groß ist die Enttäuschung darüber?
DO: Die Enttäuschung ist groß, weil die Engländer immer davon ausgehen, dass sie die beste Mannschaft haben, weil sie eben auch die beste Liga der Welt haben. Nur bei der WM 1966 hatte ihre Nationalelf mit viel Glück Erfolg und das zeigt, dass das nicht berechtigt ist.
Spätere Toranalysen haben ja aber gezeigt, dass der Ball damals beim Wembley-Tor gar nicht über der Torlinie war.
DO: Ja, das Wembley-Tor ist ja das ewige Dauerthema. Aber so ist eben Fußball. Die Tatsache, dass über einen 40 Jahren alten Vorfall immer noch so diskutiert wird, zeigt die Leidenschaft und die Rivalität zwischen unseren Nationen, in denen Fußball Volkssport ist. Ich bin gegen die Torkamera. Man sollte zwar ausschließen, dass Leute wie Robert Hoyzer Schiedsrichter werden können, aber durch die Torkamera wären ganze Stammtische abgeschafft. Zu viel Technik entzieht die Spannung.
Wettskandal um Hoyzer: Der italienische Fußball litt unter ähnlichen Fällen, wie war das in England mit seiner starken Wettkultur, die sich durch alle Sportarten zieht?
DO: Ich bin mir sicher, dass es so etwas überall gibt, schließlich gibt es ja auch in England gute unterklassige Ligen. Ich hoffe es nicht, aber ich denke, dass auch da mal irgendetwas derartiges herauskommen wird.
Woher stammt die große Erzrivalität? Fing es mit dem berühmten Wembley-Tor an oder weist der Fangesang „10 German bombers“ auf frühere Wurzeln hin?
DO: Es wird vieles ohne Ironie aus dem Krieg bezogen, die Engländer kosten dies richtig heftig aus. 1966 hat sicher dazu beigetragen, richtig heftig wurde es aber 1990, 1996, als sie jeweils von uns im Elfmeterschießen rausgehauen wurden. Da offenbarte sich die ganze Rivalität bzw. Enttäuschung als Hass in der Berichterstattung. Es ist eine Hassliebe, was wären sie ohne uns und wir ohne sie?
Diese Wut und Enttäuschung schlägt ja aber auch oft in Gewalt um. Wie groß ist das Problem der Hooligans in Deutschland, wird es so groß wie in England?
DO: Bei uns ist es eher ein Problem unterklassiger Ligen in Ostdeutschland. Sonst kriegt man in Deutschland nicht so viel davon mit, wobei man auf ein Überschwappen auf höhere Ligen aufpassen werden muss. In England sind Hooligans sicher auch ein großes Problem, die englischen Fans sind sehr emotional und im Ausland berüchtigt, da tut das englische Bier sicher auch sein Übriges. Hooligans treten dort allerdings meist bei Länderspielen auf den Plan.
Teil 1 als Audioversion gibt es hier:
